Mein erster Porsche

,,Mein erster Porsche“ – das ist die emotionale Antwort eines 50-jährigen Mannes auf seine grauen Schläfen. ,,Jugend festhalten, Alter ignorieren,“ solche oder so ähnliche Motive unterstellen viele Zeitgenossen den Porsche-Fahrern. Bei mir lief die Entscheidung für den Sportwagen aus Zuffenhausen natürlich ganz anders.

Es war das Jahr, in dem ich 50 wurde. Eigentlich hatte ich mit einer ausgewachsenen Midlife-Krise gerechnet, denn schon mein 40. Geburtstag hatte mir seinerzeit schwer zu schaffen gemacht. Aber zu meiner eigenen Überraschung war nun alles im grünen Bereich – man wird halt doch mit den Jahren gelassener…

Was mein Blut allerdings in Wallung brachte, war die dritte Betriebssteuerprüfung in elf Jahren. Der Verlust nahezu aller finanzieller Rücklagen schmerzte – hatte ich mir doch damit ein wenig mehr Gelassenheit in geschäftlichen Angelegenheiten erhofft. Aber mindestens genauso unangenehm war das Gefühl der Ohnmacht gegenüber dem Prüfer und seiner Willkür.

Und während ich tagelang Belege suchte, sie erklärte und reihenweise das negative Kopfschütteln des Prüfers erntete, reifte in mir der Entschluß, einen Porsche zu kaufen. Man muß sich auch selbst belohnen – sonst macht es ja eh keiner.

Wer Risiko eingeht, sein eigenes Unternehmen aufbaut und möglichst sparsam mit seinen Ressourcen umgeht, wird vom Finanzamt bestraft. Kosten verursachen, Belege produzieren, das ist es, was unser Staat von uns verlangt. Geld auf der hohen Kante ist Gift für den Wirtschaftskreislauf und gehört nicht in die Hände der Steuerzahler.

Es dauerte noch ein halbes Jahr, in dem Modelle, Baujahre und Finanzierungsraten gecheckt und verglichen wurden, ehe ich nach einer winterlichen Probefahrt die Unterschrift unter den Kaufvertrag setzte. Und ganz ehrlich – es war ein tolles Gefühl, das blitzblanke Gefährt mit dem eigenen Kennzeichen im Porsche-Showroom bei der Abholung zu entdecken und gaaanz vorsichtig nach Hause zu fahren.

Mittlerweile sind fünf Jahre rum und ich habe den Porsche aus dem Firmen- ins Privatvermögen übertragen. Dabei habe ich bewußt darauf verzichtet, genau nachzurechnen, was mich das Objekt meiner Begierde insgesamt gekostet hat – neben Anschaffung, Unterhalt, Abschreibung, privatem Nutzungsanteil etc.. Ich glaube, dass Vater Staat unter dem Strich finanziell das bessere Geschäft gemacht hat.

Aber dafür freue ich mich immer wie am ersten Tag, wenn ich mit Links den 6-Zylinder-Boxer zum Leben erwache und die Kupplung langsam kommen lasse …

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